Wenn das Schnäppchen für Unternehmen zur Kostenfalle wird
Online einzukaufen gehört heute auch für Unternehmen zum Alltag. Hardware, Ersatzteile, Verbrauchsmaterialien, Werkzeuge, Büroausstattung oder technische Komponenten lassen sich innerhalb weniger Minuten finden, vergleichen und bestellen. Gerade für Einkäufer und Geschäftsführer ist der Preisvergleich im Internet eine interessante Möglichkeit, Beschaffungskosten zu reduzieren.
Doch genau hier liegt eine zunehmende Gefahr: Professionell gestaltete Fakeshops sind auf den ersten Blick häufig kaum noch von seriösen Online-Händlern zu unterscheiden.
Die Webseiten sehen professionell aus, verfügen über Produktbilder, technische Beschreibungen, vermeintliche Kundenbewertungen, ein Impressum und teilweise sogar Gütesiegel. Der entscheidende Köder ist jedoch häufig der Preis.
20 bis 30 Prozent günstiger?
Jetzt sollte man besonders aufmerksam werden
Stellen Sie sich eine typische Situation aus dem Unternehmenseinkauf vor:
Ein Produkt wird beim bisherigen Lieferanten für 1.000 Euro angeboten. Bei einer Internetsuche findet der Einkauf dasselbe Produkt plötzlich für 700 oder 800 Euro. Bei einer größeren Bestellung ergibt sich daraus schnell eine vermeintliche Ersparnis von mehreren Tausend Euro.
Natürlich entsteht sofort der Gedanke: Warum sollen wir mehr bezahlen, wenn wir das gleiche Produkt deutlich günstiger bekommen können?
Genau an diesem Punkt ist besondere Vorsicht angebracht.
Ein Preis, der etwa 20 bis 30 Prozent unter den Angeboten etablierter Lieferanten oder dem üblichen Marktpreis liegt, sollte immer Anlass für eine besonders gründliche Prüfung sein. Eine solche Abweichung bedeutet nicht automatisch, dass es sich um Betrug handelt. Sie ist aber ein deutliches Warnsignal.
Denn auch seriöse Händler müssen Produkte einkaufen, lagern, versenden, Personal bezahlen, Gewährleistungsrisiken berücksichtigen und eine Marge erwirtschaften. Ein Anbieter, der dauerhaft erheblich unter dem marktüblichen Preis liegt, sollte deshalb kritisch hinterfragt werden.
Die Verbraucherzentrale weist ebenfalls darauf hin, dass auffallend günstige Preise ein typisches Warnsignal für Fakeshops sein können.
Ein professioneller Internetauftritt ist kein Beweis für Seriosität
Ein häufiger Fehler im geschäftlichen Einkauf besteht darin, die Qualität einer Webseite mit der Seriosität des dahinterstehenden Unternehmens gleichzusetzen.
Eine moderne Webseite, ein Firmenlogo, deutsche Texte, AGB, Datenschutzerklärung oder angebliche Gütesiegel sind heute kein ausreichender Nachweis mehr dafür, dass tatsächlich ein seriöses Unternehmen hinter dem Shop steht.
Fakeshops können Webseiten realer Händler imitieren oder Informationen anderer Unternehmen übernehmen. Selbst ein vorhandenes Impressum bietet daher keine hundertprozentige Sicherheit. Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich davor, dass Fakeshops teilweise täuschend echt gestaltet sind.
Für Unternehmen kann ein solcher Betrugsfall besonders teuer werden. Es geht möglicherweise nicht nur um einige hundert Euro. Bei der Beschaffung von Notebooks, PCs, Servern, Netzwerkkomponenten, Ersatzteilen oder anderer Betriebsausstattung können schnell fünfstellige Beträge entstehen.
Hinzu kommen mögliche Folgekosten: Die benötigte Ware fehlt, Projekte verzögern sich, Mitarbeiter können nicht weiterarbeiten und Ersatz muss kurzfristig bei einem anderen Lieferanten beschafft werden.
Aus einem vermeintlichen Einkaufsvorteil kann damit innerhalb kürzester Zeit ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstehen.
Vorsicht bei Vorkasse
Besonders kritisch sollte ein neuer Lieferant betrachtet werden, wenn ausschließlich Vorkasse per Überweisung möglich ist.
Typisch kann beispielsweise sein, dass ein Shop zunächst verschiedene Zahlungsarten anzeigt, im tatsächlichen Bestellprozess aber plötzlich nur noch eine Überweisung möglich ist. Auch dies nennt die Verbraucherzentrale als mögliches Warnzeichen.
Für den betrieblichen Einkauf sollte deshalb gelten:
Neuer Lieferant + ungewöhnlich niedriger Preis + Vorkasse = Bestellung zunächst stoppen und Anbieter prüfen.
Die vermeintliche Ersparnis rechtfertigt nicht das Risiko, den vollständigen Rechnungsbetrag an einen unbekannten Empfänger zu überweisen.
Vor der ersten Bestellung sollte der Lieferant geprüft werden
Insbesondere bei größeren Bestellungen oder einem bisher unbekannten Anbieter empfehlen wir, nicht nur den Preis zu vergleichen.
Prüfen Sie unter anderem, ob die Firma tatsächlich existiert, ob die Angaben im Impressum plausibel sind, ob Anschrift und Telefonnummer nachvollziehbar sind und ob Handelsregister- oder Unternehmensangaben überprüft werden können.
Auch Bewertungen sollten kritisch betrachtet werden. Ausschließlich hervorragende Bewertungen auf der eigenen Webseite sind kein zuverlässiger Nachweis. Ebenso sollten Gütesiegel nicht einfach als Bild akzeptiert werden. Bei einem echten Gütesiegel sollte überprüft werden können, ob der Händler tatsächlich beim jeweiligen Anbieter registriert bzw. zertifiziert ist.
Ein kurzer zusätzlicher Prüfaufwand kann gerade bei Bestellungen über mehrere Tausend Euro einen erheblichen Schaden verhindern.
Fakeshop Finder
Eine zusätzliche Möglichkeit zur Überprüfung unbekannter Online-Shops bietet der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale.
Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale NRW
Dort kann die Internetadresse eines Shops eingegeben und überprüft werden. Der Fakeshop-Finder untersucht verschiedene Merkmale der Webseite und liefert eine Einschätzung, ob Auffälligkeiten bestehen. Die Ergebnisse werden unter anderem über ein Ampelsystem dargestellt.
Wir empfehlen insbesondere Einkäufern, Buchhaltungen und Geschäftsführern, dieses Werkzeug bei unbekannten Lieferanten und auffällig günstigen Angeboten als zusätzlichen Prüfschritt zu verwenden.
Unser Grundsatz für den Unternehmenseinkauf
Wenn ein Angebot zu gut erscheint, um wirtschaftlich plausibel zu sein, sollte nicht schneller bestellt, sondern gründlicher geprüft werden.
Besonders aufmerksam sollten Sie werden, wenn mehrere Warnsignale zusammenkommen: Ein unbekannter Anbieter, ein Preis deutlich unter dem Marktpreis, sofortige Warenverfügbarkeit, ausschließlich Vorkasse und nur schwer überprüfbare Unternehmensinformationen.
Ein vermeintlicher Einkaufsvorteil von 20 oder 30 Prozent kann sehr schnell zu einem Verlust von 100 Prozent des Kaufpreises werden.
Im Zweifel ist ein etwas höherer Preis bei einem bekannten und zuverlässigen Lieferanten häufig günstiger als das vermeintliche Schnäppchen bei einem unbekannten Anbieter.
Wichtiger Hinweis - der FAKE-Shop finder
Auch der Fakeshop-Finder bietet keine hundertprozentige Sicherheit. Betrügerische Shops können neu erstellt werden, ihre Internetadressen wechseln oder zum Zeitpunkt der Prüfung noch nicht als Fakeshop bekannt sein. Die Verbraucherzentrale weist selbst darauf hin, dass keine vollständige Liste aller Fakeshops möglich ist.
Der Fakeshop-Finder sollte deshalb als zusätzliches Hilfsmittel und nicht als Garantie für die Seriosität eines Online-Shops verstanden werden.
Haftungsausschluss: Die in diesem Beitrag genannten Informationen und Prüfmöglichkeiten dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Garantie für die Seriosität eines Online-Händlers dar. Auch bei Nutzung des Fakeshop-Finders oder der genannten Prüfschritte können betrügerische Anbieter unter Umständen nicht erkannt werden. Für Bestellungen, Zahlungen, daraus entstehende Schäden oder die Seriosität geprüfter bzw. genannter Anbieter übernehmen wir keine Haftung.